Über die Freude

Mein Name ist Ulrich Freundlieb, Heilpraktiker, Homöopath (seit 1988)

Ich freue mich sehr, mich in Zukunft von Zeit zu Zeit mit Gedanken zu einem gesunden Leben unter besonderer Berücksichtigung der Klassischen Homöopathie zu Wort melden zu dürfen und bedanke mich erst einmal von ganzem Herzen beim  Vereinsvorstand für diese Idee und dieses Forum.

Nach Assistenzstellen im In- und Ausland arbeite ich seit 30 Jahren in eigener Praxis ausschließlich klassisch homöopathisch und behandle Menschen jeden Alters, schwerpunktmäßig Kinder; Tiere – ob groß oder klein – sind willkommen. Von der Stiftung Homöopathie-Zertifikat bin ich als Therapeut und Supervisor zertifiziert. Für einen tieferen Einblick in die menschliche Seele waren mir neben den homöopathischen Fachfortbildungen auch regelmäßige Weiterbildungen in Humanistischer Psychologie immer wichtig.

Über die Freude

Alles menschliche Leben beginnt mit der Freude: Mit der Freude des Zusammenseins, des Einswerdens im Moment der Zeugung. Nach einer kurzen Phase  des Nichtwissens kommt die Zeit der freudigen Erwartung. Und schließlich die Freude über den neuen Erdenbürger.

Das Kuschelhormon Oxytocin sorgt dann weiter für viele freudige Momente sowohl für das Kind als auch für die stillende Mutter. Nicht zu vergessen all die freudigen und staunenden Gesichter der Gratulanten!

Dann folgt die Freude über die Geschenke und die Segenswünsche, schließlich die Freude im Rahmen der Kirchengemeinde, das Fest der Taufe, und nach einem Jahr die erste Geburtstagsfeier, Gläser klingen, Gesang wird angestimmt …

Im Alten Testament heißt es im Buch Prediger (8, 15): „Darum soll sich der Mensch an die Freude halten. Er soll essen und trinken und sich freuen; das  ist das Beste, was er unter der Sonne bekommen kann.“

Es gäbe keine Gesellschaft ohne Freude, umgekehrt ist Freude ohne Gesellschaft auch schwer vorstellbar – allenfalls im Sinne innerer Freude bleibt  sie eher Einsiedlern in einer abgeschiedenen Klause vorbehalten. Freude zu teilen, bedeutet sie zu verdoppeln, so wie umgekehrt geteiltes Leid halbes Leid ist. Dieses Mitteilen entspringt dem Bedürfnis, das Menschliche mit einander zu teilen.

Heute möchte ich mit Ihnen eine homöopathische Geschichte teilen, die sicher 25 Jahre zurückliegt.

Nach einem Tanzabend ging ich mit meiner Partnerin in einem nahegelegenen Bistro ein Glas Wein trinken – nie wäre uns die absurde Frage in den Sinn gekommen, ob das erlaubt sei. Im Laufe der Unterhaltung erfuhr ich dann von der Hüftoperation ihrer Mutter, die sich so sehr über den  gelungenen chirurgischen Eingriff gefreut habe, als sie wieder aus der Narkose aufgewacht sei. Nahezu euphorisch sah sie sich schon an ihrem Geburtstag in ein paar Monaten tanzen.

Und dann passierte am nächsten Tag das Unfassbare: Die 80jährige fiel ins Koma, aus dem sie nicht mehr erwachte. Regungslos mit herabgefallenem Unterkiefer lag sie nun schon seit drei Wochen in ihrem Bett. Die Ärzte und Angehörigen hatten nicht mehr viel Hoffnung, dass sie noch einmal zurückkehrte.

Es gibt in jedem Homöopathen ein homöopathisches Reflexzentrum, das unter Umgehung der Großhirnrinde reagiert, d. h. ohne nachzudenken dringt mitunter der Name einer Arznei ins Bewusstsein.


Opium.

Ein Homöopathikum für Narkosefolgen. Die Patientin ist unter anderem mit einem Opioid (Opiat) in Narkose versetzt worden, die natürliche Quelle  dieses Betäubungsmittels ist der Saft des Schlafmohns, Opium.

Um ein Medikament mit Erfolg zu verschreiben, ist es immer von Vorteil, den Geistesblitz zu überprüfen; mindestens 3 Symptome sollten darauf hinweisen, denn es gibt viele Homöopathika für die Nebenwirkungen einer Narkose (Symptom Nr. 1).

Was ist das Schwerste von allem? Goethe beantwortete die Frage so: „Was dir das Leichteste dünket: Mit den Augen zu sehen, was vor den Augen dir liegt.“

Alles war nach nur einer Minute erzählt und lag vor mir. Deshalb empfahl ich der Freundin ohne weitere Anamnese oder Fragen ihrer Mutter Opium C 30 zu verabreichen. Das tat sie bei ihrem nächsten Krankenbesuch, und das Wunder geschah: Die Patientin fand zurück ins Leben.

Schon bald, vielleicht 1 Stunde nach der Arzneigabe, begann die alte Dame zu husten, so sehr, dass das Pflegepersonal gerufen werden musste, das dann Unmengen von Schleim aus ihrer Lunge absaugte. Das war die Heilreaktion.

Opiate führen zu einer Atemdepression – daher muss der Narkotisierte natürlich im Lauf der Operation künstlich beatmet werden. Aber der Schuss kann auch nach hinten losgehen, und mitunter hören die Patienten noch Stunden später auf zu atmen. Dann sitzen Schwestern oder Pfleger am Bett der frisch Operierten und stupsen sie an, bis sie wieder ihren Atemrhythmus gefunden haben. Hier hat die Atmung nicht ausgesetzt, allerdings war die Lunge so voller Schleim, dass die Sauerstoffversorgung des Organismus stark eingeschränkt war.

Was war nun das Offensichtliche, das vor mir lag? Mich so sicher machte in der Wahl der homöopathischen Arznei? Die Freude! Die große Freude der Patientin über die geglückte Operation.

Es ist von klarem Vorteil bei der Arzneisuche, die Situation zu verstehen, in der der Mensch erkrankt ist. Der krankmachende Funke trifft uns immer auch in einem ganz bestimmten seelischen Zustand, ob wir es wissen oder nicht. Hier war es die Freude. Bei einem anderen Menschen kann es der Zornausbruch, bei einem dritten der Tod eines Freundes und einem vierten die unverhoffte Rüge des Vorgesetzten sein, wodurch er aus dem Gleichgewicht gerät – ja sogar die freudige Überraschung kann zum Stolperstein werden, z. B. auch für einen Migräneanfall oder Schlafstörungen.

Und was ist der jedem bekannte Effekt des Opiums als Droge? Freude zu vermitteln. Opium als homöopathisches Medikament ist also eng mit dieser Emotion verbunden. Das dritte Symptom war der schlaff herunter hängende Unterkiefer.

Weil Opium als Rohsubstanz und homöopathisch eine Affinität zur Freude hat, ist es auch die wichtigste Arznei für Komplikationen unter der Geburt. Wenn Gebärende eine gute eins zu eins Betreuung haben, werden schmerzstillende, körpereigene Hormone freigesetzt, sogenannte Endorphine (abgeleitet von dem Begriff  Morphium als Hauptwirkstoff des Opiums), die einen rauschhaften, glückseligen Zustand erzeugen können. Gerade vor ein paar Wochen wurde mir wieder von der wunderbaren Wirkung dieses Arzneimittels berichtet. „Krass“, sagte der vor mir sitzende frischgebackene Vater, der bis dato keine Erfahrung mit der homöopathischen Therapie gemacht hatte und in großer Sorge um seinen Sohn war.

„Das Gewand gehört dem, der es trägt, und die Welt dem, der sich an ihr freut.“ So lautet ein englisches Sprichwort. Wenn das Feiern, die Freude, der Spaß und die Ausgelassenheit aus dem Leben verschwinden oder Menschen sich gar anmaßen, es aus dem Leben anderer verbannen zu wollen, ist die Gesundheit in großer Gefahr. „Gesundheit ist weniger ein Zustand als eine Haltung, und sie gedeiht mit der Freude am Leben (Thomas v. Aquin).“ Freude ist ansteckende Gesundheit.

In immunstärkender Verbundenheit

Ulrich Freundlieb