Schulmedizin und Alternativmedizin: unvereinbar oder komplementär?
Der Streit um die richtigen Konzepte zur Behandlung von Krankheiten und Heilung von Patienten ist so alt wie die Medizin selbst.
Seit der Entwicklung der Homöopathie durch Hahnemann im vorletzten Jahrhundert spitzt dieser sich häufig auf einen Streit zwischen dem allo- und dem homöopathischen Ansatz zu, wobei der Terminus „Alternativmedizin“ ja noch einige andere Verfahren umfaßt.
„Schulmedizin“, ursprünglich als Schimpfwort der Homöopathen für die Vertreter der etablierten Medizin erfunden, versteht sich selbst im Gegensatz zur Alternativmedizin heute als wissenschaftliche, evidenzbasierte Medizin und unterstellt der Alternativmedizin gerne eben diese fehlende Evidenz.
Aber bei genauerem Hinsehen finden sich einige alternativmedizinische Verfahren, die durchaus einer Evidenzprüfung standhalten wie umgekehrt auch längst nicht alle diagnostischen und therapeutischen Verfahren der Schulmedizin tatsächlich evidenzbasiert sind, auch hier beruht Einiges auf Erfahrung. Hinzu kommt, daß mit evidenzbasierten Methoden zwar Aussagen über große Patientengruppen mit statistischer Signifikanz getroffen werden können, ob die jeweiligen Ergebnisse aber 1:1 auf den individuellen Patienten übertragbar sind, steht im jeweiligen Einzelfall zu beweisen. Somit ersetzen auch alle Leitlinien niemals vollständig die persönliche ärztliche Verantwortung für den individuellen Patienten.
Das Dilemma der Homöopathie ist, daß jeder Patient im Grunde genommen seine eigene Kontrolle ist, sodaß kontrollierte Studien mit Homöoopathica vom Ansatz her schwierig bis unmöglich sind, was ihre Wirksamkeit jedoch nicht a priori widerlegt.
Generell läßt sich wohl sagen, das homöopathische Therapeutika ihren Platz in der Prävention und der Frühphase sowie in der supportiven Therapie chronischer Erkrankungen haben, während der schulmedizinische Ansatz bei schweren Akuterkrankungen, z.B. einem durchgebrochenen Blinddarm, meist erfolgversprechender ist.
Somit ergänzen sich beide Ansätze und schließen sich keineswegs aus.
Daher wäre mehr Offenheit und konstruktiver Austausch von beiden Seiten für die Zukunft wünschenswert.
